Veilchen2.0

Normale Version: Ein reines Gewissen (Ian Rankin)
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„Ein reines Gewissen“ von Ian Rankin ist ein Krimi, und obwohl ich Krimis nicht mag, hatte ich anfangs Spaß an der interessant verwobenen Handlung: Malcolm Fox ermittelt gegen einen Polizisten, der verdächtigt wird, kinderpornographisches Material zu verbreiten. Wie es der Zufall will, ermittelt genau dieser Jamie Breck im Mordfall Vince Faulkner, dem Lebensgefährten von Jude, die wiederum Malcolms Schwester ist. Nicht nur Jude, sondern auch Malcolm ist in dem Fall verdächtig. Der Mord bietet Malcolm einen guten Vorwand, um in Jamies Nähe herumzuschleichen, angeblich aus Interesse an den Ermittlungen. Die beiden freunden sich an und als Malcolm anfängt, im Mordfall Faulkner zu ermitteln, was ihn nun wirklich gar nichts angeht, werden er und Jamie vom Dienst suspendiert. Allerdings ist daran etwas faul: Schon zuvor wurde die Überwachung von Breck ausgesetzt und Fox hatte man bereits vor dem Mord beschattet. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht!
So weit also spannend. Es stellt sich natürlich heraus, dass alles ein abgekartetes Spiel ist, eine eingefädelte Intrige, um die beiden nicht korrupten Polizisten aus dem Weg zu räumen. Es geht um die Finanzkrise im allgemeinen und besonders in der Baubranche. Allerdings entwickelt sich der Krimi dann zu dem gewöhnlichen zähen Herumrecherchieren, ellenlangen Gesprächen mit immer wieder denselben Personen, Vermutungen, Spuren, die zu verfolgen sind, Erkenntnissen, bei denen eines zum anderen kommt. Insgesamt sind mir auch etwas zu viele Personen involviert. Mit so großem Aufgebot lässt sich weder eine knackige Intrige betreiben noch ein knackiger Roman schreiben.
Sehr schön fand ich aber diese Zitate: „Bloß weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.“ Ich musste lachen, als sein Chef zu Malcolm sagt: „Seit wann verbrüdern wir uns mit Verdächtigen?“ Diese Frage ist wunderbar doppeldeutig, da ja Malcolm Jamie wegen Kinderpornographie beobachtet und Jamie Malcolm wegen Mord. Beide sind verdächtig, und wir wissen nicht mal, ob der Chef beide Geschichten kennt.

Andrea Herrmann, erschienen in Veilchen Nr. 60, Januar 2018
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