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Dornen und Rosen (Sarah J. Maas)
05.10.2017, 09:12
Beitrag: #1
Dornen und Rosen (Sarah J. Maas)
Der Fantasy-Roman „Dornen und Rosen“, der erste Band aus der Serie „Das Reich der sieben Höfe“ von Sarah J. Maas, fängt sehr gut an. Im Nachhinein vermute ich, dass die ersten Kapitel von einer Lektorin gründlich überarbeitet wurden, so dass jede der drei Schwestern und der Vater der Familie ein deutliches persönliches Profil erhalten. Zunächst beginnt die Geschichte wie eine Aschenputtel-Variante: Die Mutter ist tot, und der jüngsten Tochter Feyre, die ihr am nächsten stand, geht es schlecht. Sie hatte der Mutter auf dem Totenbett versprochen, für die Familie zu sorgen, und das tut sie nun in den Tagen der Armut, indem sie zur Jagd geht. Sie bringt ihr Leben in Gefahr, beschmutzt sich die Hände und lernt nie das Lesen. Die reiche Händlerfamilie war verarmt, als Schiffe ihres Vaters auf dem Meer verloren gingen. Sie leben darum gesellschaftlich isoliert in einer kleinen Hütte am Dorfrand.
Diese Fantasy-Welt ist geteilt in die Welt der Menschen und in Prythian, die Welt der Fae. Die Fae sind magisch begabte Wesen, zumeist in Menschenform, doch beherrschen sie auch die Kunst der Gestaltwandlung. Sie leben ewig. Nach den legendären Kriegen zwischen Fae und Menschen wurde die Welt geteilt und eine hohe Mauer trennt die beiden Teile. Als Feyre auf der Jagd einen Fae tötet, der die Gestalt eines Wolfes angenommen hatte, bricht ein riesiger Bär in ihre Hütte ein und verlangt Feyres Leben als Wiedergutmachung. Sie muss mit ihm in sein Reich kommen und dort bis an ihr Lebensende bei ihm leben. Und ab hier ähnelt die Geschichte eher der „Schönen und das Biest“. Feyre wird in ein wunderschönes Schloss gebracht, wo sie mit den maskierten Fae-Männern Tamlin und Lucien in Wohlstand lebt. Sie erhält prächtige Kleider und lebt in unbeschwertem Luxus. Trotzdem versucht sie immer wieder zu fliehen.
Ab hier entwickelt sich der Roman leider eher wie ein gewöhnlicher Frauenroman: Feyre macht irgendetwas, scheinbar ohne Sinn und Verstand. Ihre Strategie, falls sie eine hat, ändert sich fast täglich, alles was sie tut, versucht sie nur halbherzig. Sie ist launisch und zickig zu ihren Gastgebern. Insbesondere Tamlin ist freundlich und geduldig mit ihr, erfüllt ihren jeden Wunsch und bemüht sich um ihr Vertrauen, doch sie stößt ihn immer wieder vor den Kopf. Gelegentlich kommt ihr zwar vage die Idee, dass er irgendwann mal wütend mit ihr werden könnte, aber das ist ihr auf trotzig-kindliche Art gleichgültig. Soll er doch! Furchtlos beobachtet sie, wie ihn ihre sinnlosen Beleidigungen oft so wütend machen, dass seine Hand die Bärenkrallen ausfährt, doch er beherrscht seine Wut und Macht und bleibt freundlich. Lucien dagegen verhöhnt Feyre und genau mit ihm reitet sie aus, ihm vertraut sie, seinem Ratschlag folgt sie, was sie beinahe das Leben kostet. Sie lernt allmählich bei ihren sinn- und ziellosen Abenteuern bedrohliche Wesen wie den Bogge, den Suriel, den Puka und den Naga kennen. Ehrlich gesagt wäre die Geschichte auch ohne diese Monster ausgekommen, denn die wahre Gefahr droht von „ihr“, die man erst sehr spät kennen lernt: der Magierin Amarantha, die alle sieben Fae-Reiche unter ihre Kontrolle hält und die Menschen abgrundtief hasst, weil ihr mal eine Menschenfrau den Mann ausspannte.
Zwischendurch hat der Roman auch einen Touch von Nackenbeißer, als Feyre und Tamlin wie Tiere übereinander herfallen. Feyres Zickigkeit scheint zu erotisieren. Aber vielleicht benutzt Tamlin sie auch nur. Schließlich gibt es da eine Prophezeiung, von der Feyre nichts weiß. Aber als es dann zum Schlimmsten kommt, benutzt Tamlin sie doch nicht, sondern schickt sie nach Hause zu ihrer inzwischen wieder wohlhabenden Familie, damit sie dort sicher ist.
Da sie ihn liebt, bricht sie jedoch erneut auf, um ihn zu suchen. Inzwischen ist er ein Gefangener von Amarantha in ihrem magischen Berg. Feyre kann ihn und alle befreien, falls sie drei Aufgaben und ein Rätsel löst. So jedenfalls der Deal. Zwischendurch wird sie noch von den Dienern auf märchenhafte Weise schikaniert, indem sie einen Fußboden mit schmutzigem Wasser reinigen muss oder Linsen aus der Asche sortieren. Dabei erhält sie magische Hilfe von verschiedenen Fae, die von ihr die Erlösung erhoffen oder ihr wegen irgendetwas dankbar sind. Während die erste und dritte Aufgabe Amaranthas wirklich schwer sind, besteht die zweite nur darin, aufgrund einer Inschrift den richtigen Hebel zu betätigen. Also kinderleicht und läppisch. Nur die Analphabetin Feyre kann es nicht. Wieder erhält sie magische Hilfe. Am Ende kommt es zu einem Gemetzel-Finale, aber viele Fragen bleiben offen, die vermutlich in den nächsten Bänden der Serie beantwortet werden. Beispielsweise: Feyre hat ihr Leben gewagt, um Tamlin zu retten, aber den einzigen heimlichen Kontakt, den er „wagt“ ist Sex in einer Besenkammer. Hilfe erhält sie von ihm keine. Hält er sich nur fern, um sie zu schützen? Aber die anderen wagen es ja auch! Sogar Lucien bringt sich in Gefahr, um Feyre zu retten, und der ist nun wirklich kein Freund von ihr. Auch bleibt unklar, warum diese geheimnisvolle Söldnerin behauptet, das Fell des Wolfes stamme nicht von einem Fae, obwohl diese sich doch so gut auskennt. Oder hat sie gelogen und Feyre verraten? Da die Söldnerin selbst einen Fae getötet hat: Hatte man auch sie versucht, zur Lösung des Fluchs einzuspannen?
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