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Gilgamesh-Epos
05.10.2017, 09:13
Beitrag: #1
Gilgamesh-Epos
Ein antiker Held ist Gilgamesh aus dem „Gilgamesh-Epos“. Ich habe die moderne Hörspielfassung von Raoul Schrott gehört und mich prächtig amüsiert. Wie ich in der „Hütte“ (siehe voriges Lesequartal) gelernt habe, gestaltet sich jeder Mensch – und vermutlich auch jedes Volk – sein Gottesbild nach seinem eigenen Charakter. Wer launisch und bösartig ist, der unterstellt dies auch den Göttern. Die Götter Mesopotamiens wirken wie eine schlecht organisierte und unkoordinierte Beamtentruppe: Wer ist denn nun eigentlich verantwortlich dafür, über Gilgameshs Antrag auf Unsterblichkeit zu entscheiden? Warum ist Gilgamesh eigentlich zu ein Drittel Mensch und zwei Dritteln Gott, wie kommt das rechnerisch zustande? Genügen zwei Drittel für die Unsterblichkeit oder ist das zu wenig? Können wir die Besprechung nicht vertagen?
Gilgamesh dagegen ist der Tatkräftige, der Raufbold, der Abenteurer, der nicht weiß, wohin mit seiner unbändigen Kraft. Er hat eine Stadt gegründet, er hat einen Tempel gebaut, er beherrscht das Land umher, er schreitet durch die Stadt wie ein Stier zwischen Lämmern. Und er ist einsam. Keiner ist wie er!
Bis Jäger in der Wüste eine seltsame Kreatur entdecken: Ein verzottelter Mann, offensichtlich unter Gazellen aufgewachsen, zerstört ihre Fallen und warnt seine Herde vor der Gefahr. Sie fangen den Mann mit einer einfachen List: Eine Prostituierte zeigt ihm, was es heißt, ein Mensch zu sein. Sie nennt ihn Enkidu und nimmt ihn dann mit in die Stadt. Als er von dem starken Gilgamesh hört und von dessen Einsamkeit, da ahnt er gleich den Seelenverwandten und sucht dessen Bekanntschaft.
Die beiden Raufbolde werden enge Freunde und bestehen viele Abenteuer miteinander. Nach Enkidus Tod macht sich Gilgamesh auf, den Himmel zu besteigen, den Todesstrom zu überqueren und die Götter herauszufordern. Er will den Tod verstehen und er verlangt für sich das ewige Leben. Als er krank darnieder liegt, sein Hofstaat bereit, sich bei seinem Tod selbst zu entleiben und ihn ins Totenreich zu begleiten, der Tigris schon umgeleitet, damit sein Grab in dessen Bett errichtet werden kann, da endlich findet Gilgameshs Antrag bei den Göttern Gehör. Der Fall drängt, eine Entscheidung muss fallen.
Als Enkidu stirbt, seufzt er: „Nichts wird bleiben von mir.“ Was nicht stimmt, denn es gibt ja diese Tafel aus Lapislazuli, auf die Gilgamesh seine Lebensgeschichte meiseln lässt und sie in einem hölzernen Kästchen am Fuße seiner Stadtmauer vergraben lässt. So ist dieser Roman auf uns überliefert worden. Tatsächlich outet sich diese Geschichte durch die phantastischen Elemente für uns ganz klar als Roman und ist somit der älteste schriftlich überlieferte Roman der Weltliteratur.
Enkidu und Gilgamesh, zwei unbesiegbare Helden der mesopotamischen Wüste, Bud Spencer und Terence Hill des Altertums!
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