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Vom Wandern – Neue Wege zu einer alten Kunst (Ulrich Grobe)
24.12.2017, 18:58
Beitrag: #1
Vom Wandern – Neue Wege zu einer alten Kunst (Ulrich Grobe)
„Vom Wandern – Neue Wege zu einer alten Kunst“ von Ulrich Grobe ist ein poetisches Sachbuch über die natürlichste Fortbewegungsart des Menschen. Hier beschreibt der Autor nicht nur einige Wanderrouten in den verschiedensten deutschen Landschaften, sondern gibt auch Ratschläge und diskutiert die philosophische Bedeutung des Unterwegsseins, von Licht und Wasser, von Weite und Natur. Er bezeichnet das Wandern als „Ausstieg aus der Sesshaftigkeit“, als einen „sanften Abstieg in die Verwahrlosung“, beweist mit seinem Buch jedoch auch, dass dies nur ironisch gemeint ist. Man steigt auch ab zu den Ursprüngen des Seins, zum Wesentlichen im Leben. Dazu passt auch der „Minimalismus beim Packen“, zu dem der Wanderer gezwungen wird durch die Tatsache, dass er das gesamte Gepäck ständig auf dem Rücken trägt. So dient das Wandern auch dazu, „die Verzichtsangst zu überwinden“. Das Wandern ist gleichzeitig auch demokratisch. Jeder hat Zugang dazu, es kostet kein Geld und ist jederzeit möglich.
Das Buch ist deutlich gegliedert in die praktischen und philosophischen Teile. Im praktischen Teil werden die gewanderten Routen beschrieben und auch konkrete Ratschläge gegeben wie beispielsweise, dass man pro Stunde 0,3 Liter Wasser benötigt, ein Zelt meist nicht nötig ist für das Übernachten draußen (ein guter Schlafsack und eine Plastikplane genügen) und dass Wanderschuhe gerne leicht sein dürfen. Für eine mehrtägige Wanderung sollte man nicht mehr als 10 kg Gepäck mitnehmen, Zelt und Kochausrüstung – falls man darauf nicht verzichten kann – wiegen leicht weitere 5 kg. Die Kleidung sollte ein flexibles Wechseln erlauben, am besten nach dem Zwiebelschalenprinzip. Das heißt man, zieht besser mehrere dünne Kleidungsstücke übereinander, um sich an die jeweils herrschende Temperatur anzupassen, ohne zu viele Gepäck mitzunehmen. Wichtig ist auch, dass die Kleidung schnell wieder trocknet. Das gilt eher für Kunstfaser als für Baumwolle. Es wird auch das Wandern mit Schneeschuhen beschrieben.
Die Wanderungen bestehen dabei nicht nur aus Landschaftsmarken und Wegweisern, sondern der aufmerksame Grobe sieht sehr vieles, was sich zu beobachten lohnt und sich liest wie ein gemaltes Bild: Nebel, das Glitzern der Sonne auf dem Wasser, der Geruch der feuchten Wiesen, das Gefühl, das die Weite einer Ebene in uns auslöst. Meditatives Wandern!

Andrea Herrmann, erschienen in Veilchen Nr. 60, Januar 2018
http://www.geschichten-manufaktur.de
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