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Das Rosie-Projekt (Graeme Simsion)
03.04.2018, 15:17
Beitrag: #1
Das Rosie-Projekt (Graeme Simsion)
Ich habe „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion als Hörbuch gehört. Als Don sein Jackett in den Mülleimer wirft und durch den Regen nach Hause joggt, da musste ich fast weinen. Das ist eine sehr außergewöhnliche Liebesgeschichte: Ein Autist verliebt sich. Natürlich nicht so wie andere Menschen. Insbesondere weil er ja weiß, dass er nicht in Ordnung ist, ohne viel dagegen tun zu können. Daraus resultiert ein ständiges Gefühl der Unzulänglichkeit und das Wissen, dass Rosie ihn gar nicht gern haben kann. Sie hat ihm sogar gesagt, dass er als Partner nicht in Frage kommt. Und er hat ihr gesagt, dass er sie aus der Ehefrauwahl ausgeschlossen hat, weil sie die meisten der Kriterien auf seinem 11-seitigen Fragebogen nicht erfüllt. Aber letztlich irren sie beide.
Zunächst glaubt man, dass Don Tillman, Genetikprofessor und Autist, aus reiner Berechnung und Herzlosigkeit diese umfangreiche Kriterienliste erstellt, um die perfekte Frau zu finden. Dabei, das wird ihm und uns später erst klar, hatte sie eher das Ziel, jemanden zu finden, der ihn akzeptieren kann. Als er dann jedoch Rosie kennen lernt, die „schönste Frau der Welt“, die seine Schrullen mit Humor nimmt und ihm klar sagt, was sie will, da wirft er alle Checklisten über Bord. Er versucht sogar, sich zu ändern. Er stellt seinen gewohnten Speiseplan um und entrümpelt seinen Kleiderschrank. Er kauft sogar ein Jackett, um mit seiner Traumfrau teuer essen zu gehen. Er übt heimlich Sexstellungen. Er arbeitet an seinen sozialen Fähigkeiten und hat durch Rosie schon ganz viel gelernt.
Und dann, als er sie formvollendet darum bittet, seine Frau zu werden, läuft sie davon und lässt ihn stehen. Aus und vorbei. Es ist ihm wieder nicht gelungen. Er ist unzulänglich, kann keine Freunde und keine Partnerin finden. Immer wieder sieht er sich Liebesfilme an und ist enttäuscht darüber, dass sie bei ihm keine Gefühle auslösen. Er kann das mit der Liebe einfach nicht. Er ist nicht gut genug für Rosie. Dabei haben die beiden ein so aberwitziges Projekt miteinander durchgeführt!
Am Ende, das verrate ich jetzt schonmal, gibt es ein Happy End. Weil es eben nicht nur auf Jacketts, Äußerlichkeiten und Konventionen ankommt. Weil Rosie zu schätzen weiß, was Don für sie getan hat und dass er es ernst mit ihr meint. In seiner autistischen Schlichtheit ist er berechenbar und zuverlässig, und ganz bestimmt macht er ihr Leben reicher und verrückter.
Dies ist ein schönes Buch über das Anderssein. Wie weit soll man sich für die anderen verstellen? Und was, wenn man dabei an seine Grenzen stößt? Don erkennt einfach nicht, wenn seine Kleidung unpassend ist, oder ein Satz nun gerade stört, verletzt oder das Thema verfehlt. Interessant finde ich seine Frage, ob es nicht im Grunde allen anderen Menschen auch so geht. Verstellen sie sich auch, um sozialkompatibel zu sein oder muss das nur er? Diese Frage ist berechtigt!

zuerst veröffentlicht im Veilchen, Ausgabe 61, April 2018
http://www.geschichten-manufaktur.de
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