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Mord in Gordes – Kein Kriminalroman (Kathrina Redmann)
03.04.2018, 15:24
Beitrag: #1
Mord in Gordes – Kein Kriminalroman (Kathrina Redmann)
Freiheit, Einsamkeit, Liebe, darum geht es in Kathrina Redmanns Buch „Mord in Gordes“. Zwei Frauen wollen ihren eigenen Weg gehen, mit einem Abstand von 150 Jahren, aber am selben Ort. Die Ich-Erzählerin verbringt ihren Urlaub in Gordes in der Provence, zusammen mit ihrer Tochter und ihrer Cousine. Am frühen Morgen unternimmt sie einsame, nachdenkliche Spaziergänge durch die Stadt, am Nachmittag, am Abend. Wer schon in der Provence war, weiß, welche besondere Stimmung, Farben, Gedanken und Aussichten hier den Jahrhunderten trotzen: „Hausgesichter“ aus uraltem Stein, der in der Sonne golden leuchtet, Wüste und Fruchtbarkeit, Mistral und Stille. Sie begegnet einem Bildhauer und einem alten Bauern, der im Sonnenuntergang auf dem Feld singt: „Was es heißt, wenn einem Menschen im Laufe seines langen Lebens die Kraft nicht ausgegangen ist zu singen!“
Joséphine Savoz dagegen wurde seit ihrer Jugend gebändigt und zurechtgestutzt. Bis sie 1862, 26 Jahre alt, des Mordes an ihrem Ehemann angeklagt wurde und von ihrem Mittäter verraten. Ihr Liebhaber, François Daniolle, erschoss ihren Ehemann Aurel Savoz. Und Joséphine stand als die Hauptschuldige da. Angeblich hatte sie den armen Mann verhext. „Nur ein Mann? […] Immer heißt es sonst: Nur eine Frau. Nun, da man mich als Sündenbock braucht, werden mir plötzlich Kräfte zugeschrieben, die niemand beachtet hatte zuvor.“ Wie konnte es dazu kommen?
Die Familie, in der Joséphine aufwuchs, verachtete Gefühle: „Wo kämen wir hin, wenn jeder nach seinen Leidenschaften handelte?“ Die junge Joséphine jedoch ist ein leidenschaftlicher Mensch und darum tuscheln alle über sie. Zur Korrektur wird sie in ein Kloster geschickt, um dort durch „frommen Terror“ erzogen zu werden. Sie wird wie eine Gefangene gehalten. Aurel Savoz will Joséphine retten und heiratet sie, weil er sie liebt. Sie jedoch benutzt ihn nur, um ihren strengen Eltern zu entkommen. Mit der Zeit verachtet sie ihn sogar: „Deine Geduld machte mich ungeduldig, im Meer deiner Versöhnlichkeit drohte ich zu ersticken.“ Und: „Du bist ein Schwächling.“ Der verheiratete Nachbar François, der grobschlächtige Pferdehändler jedoch, der hat es ihr angetan und auch ihm gefällt die hübsche „Venus von Gordes“. Heimlich treffen sie sich und träumen von ihrer Heirat. Zuvor jedoch müssen die Hindernisse aus dem Weg. François besorgt Gift, doch Aurel wird davon nur krank und stirbt nicht. Am Heiligabend 1861 um 20 Uhr wird Aurel in seinem eigenen Hof des Hauses Castelneuve von zwei Schüssen tödlich getroffen. Die Morde hatten die beiden per Brief geplant, und François hatte seine nicht vernichtet. Nun belasten sie Joséphine. Beide werden zum Leben in Zwangsarbeit verurteilt. Der Magistrat urteilt: „Die großen Leidenschaften erklären die großen Verbrechen, aber sie entschuldigen sie nicht.“

Kathrina Redmann: Mord in Gordes – Kein Kriminalroman
Bookstation, Anzing, 1. Auflage 2017
Taschenbuch, 138 Seiten
ISBN 978-3-033-06074-6
Rezensiert durch Andrea Herrmann

zuerst veröffentlicht im Veilchen, Ausgabe 61, April 2018
http://www.geschichten-manufaktur.de
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