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Seelenasyl (Gerd Egelhof)
03.04.2018, 15:25
Beitrag: #1
Seelenasyl (Gerd Egelhof)
In Gerd Egelhofs neustem Buch „Seelenasyl“ kreisen Kurzprosa und Gedichte um zwei Themengebiete: Liebe(sleid) und gesellschaftliche Stellung. Lobgesänge an die Geliebte oder die Liebe an sich werden angestimmt. Wer verliebt sich in wen? Spielt das Alter eine Rolle? Der Text „So schön bist du. Ich empfinde Liebe“ preist die „schönste, beste, süßeste aller Apothekerinnen“: „Die Sonne präsentierte dich in einem Lichtkegel, dein schönes, seidenes, langes, rotblondes Haar war noch glänzender, dein rot geschminkter Mund noch ausdrucksstärker.“
In den sozialkritischen Texten geht es um Werte, um Gerechtigkeit. Wie wichtig ist Geld? Bestimmt es über den sozialen Status und darüber, wie sehr man von anderen geachtet wird? „Ich hingegen behaupte, dass Talent, Können und Fleiß zu jeder Zeit, an jedem Ort Erfolgsaussichten haben.“
Vieles klingt hier autobiographisch. Vielleicht erzählt Egelhof von sich selbst, wenn er immer wieder über einen Autor schreibt. Wenn er seine Qualifikationen auflistet in „Doch qualifiziert – für meine unqualifizierten Kritiker“: „44 Bücher in 22 Jahren, 3 Literaturpreise, Stipendium in Lyrik“. Und wenn er den Mann lobt, der nicht versucht, die Frauen mit Geld zu beeindrucken. Den Mann mit Intelligenz, Bildung, Charme und Humor. Ganz besonders der in der ersten Person geschriebene Kurztext „Ich bin und bleibe auf der Seite des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“ lässt der Autor gute und schlechte Zeiten Revue passieren: „Ich habe im Erfolg nicht abgehoben, in der Niederlage nicht aufgegeben.“ Außerdem listet er in „Drei Konstanten und weitere in Aussicht“ die Eckpfeiler seines wechselhaften Lebens auf.
Der eine oder andere Text ist unnötig klischeehaft und moralisierend, wie beispielsweise die Geschichte „Heute und nicht morgen“ über eine Frau, die von ihrem Mann geschlagen wird und sich trotzdem lange nicht von ihm trennt. Außer über Frauen, die ihren Mann nicht verlassen, beklagt sich der Autor auch über unfreundliche Menschen, Egomanen, Gurus, Leute, die Preise herunterhandeln, Mitarbeiter des Arbeitsamtes, reiche und erfolgreiche Menschen. Und die anderen beklagen sich über den Autor…
In „Warum es sich zu leben lohnt“ geht es um die schönen Dinge im Leben. Es muss ja nicht jeder dasselbe lebenswert finden, aber der Text regt dazu an, inne zu halten und zu überlegen, was mir selbst das Leben wertvoll macht. Auch die beiden Texte über das Einkuscheln – die Singleversion und die Partnerschaftsversion – lassen wohl keinen kalt.


Gerd Egelhof: Seelenasyl
Verlag make a book, Neukirchen, 2018
Taschenbuch, 327 Seiten
ISBN 978-3-961720286

Rezensiert durch Andrea Herrmann

zuerst veröffentlicht im Veilchen, Ausgabe 61, April 2018
http://www.geschichten-manufaktur.de
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