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Britt-Marie war hier (Fredrik Backman)
07.07.2018, 15:34
Beitrag: #1
Britt-Marie war hier (Fredrik Backman)
Weniger spektakulär, dafür eher alltäglich-bizarr geht es in „Britt-Marie war hier“ von Fredrik Backman zu. Die Wirtschaftskrise hat das Land fest im Griff. Männerkarrieren gehen den Bach herunter und damit auch das Dorf Borg und Britt-Maries Ehe. Ihr Leben lang war Britt-Marie für andere da, putzte für sie und hielt ihnen den Rücken frei, um als Gegenleistung ein wenig beachtet zu werden. Um Liebe ging es ihr gar nicht, sondern nur darum, gesehen zu werden.
Nun streift sie ihren Ehering ab und sucht mit Vehemenz nach einer Arbeit. Irgendeine. In ihrem Alter und während der Wirtschaftskrise gar nicht einfach! Der jungen Dame auf dem Arbeitsamt geht sie mit ihren Listen, ihrer autistisch anmutenden Genauigkeit und ihrer sozialen Inkompetenz schrecklich auf die Nerven. Doch schließlich bekommt sie eine schlecht bezahlte Stelle für einen Monat im Dorf Borg. Sie wird Hausmeisterin des Jugendzentrums, das demnächst geschlossen werden soll.
Als sie ankommt, knallt ihr zuerst mal ein Fußball an den Kopf und zertrümmert die Tür ihres Autos. Das Jugendzentrum muss dringend geputzt werden. Mit Natron und Faxin ausgestattet macht Britt-Marie sich ans Werk. Doch sie wird auch als Trainerin der örtlichen Jugend-Fußballmannschaft gebraucht. Sie hat zwar keine Ahnung von diesem Sport, doch „Fußball ist instinktiv“.
In Borg findet sie neue Menschen, für die sie da sein kann. Aber auch einen Balkon für sich und für ihre Blumen, die sie aus Mitleid vom Müll gerettet hat. Einen Balkon, der ihr allein gehört, aber auf dem sie nicht allein ist, sondern Teil der Welt außerhalb des Hauses.
Britt-Marie macht völlig neue Erfahrungen mit ihren Mitmenschen, die sie verstören, aber auch weiterbringen. Beispielsweise als die Jugendlichen im Jugendzentrum ein Fußballspiel im Fernsehen ansehen: „Britt-Marie irrte durch das Jugendzentrum wie ein unglückseliger Geist, dessen Grab jemand geöffnet hat, um darin eine Disco aufzumachen.“
Auch hier putzt Britt-Marie das Leben aller durch. In der Pizzeria-Postamt-Autowerkstatt beispielsweise. Und dann spielt sich folgende Szene mit zwei Stammgästen ab:
„Dürfte ich Sie bitten, sich erst die Schuhe abzutreten“, fordert Britt-Marie sie umgehend auf.
„Was?“, sagen die Männer.
„Ich habe soeben die Böden gewischt, wissen Sie“, informiert sie Britt-Marie.
Sie tun, was sie sagt. Möglicherweise eher durch den Schock als aus Wohlwollen.
„So. Und wie können wir Ihnen behilflich sein?“, fragt Britt-Marie, als sie wieder da sind.
„Kaf…fee?“, bringen die Männer zögernd hervor und sehen sich um, als ob sie gerade in eine Parallelwelt gestiegen wären, wo es genau so eine Pizzeria gibt wie die, in der sie normalerweise ihren Kaffee trinken, nur in sauber.
In Borg bemüht sich der Polizist Sven um Britt-Marie, und als ihr Noch-Ehemann Kent reumütig anreist um sie zu holen, kommt es sogar zu einer Schlägerei zwischen den beiden Männern.
Als nächstes wird die Pizzeria überfallen und das ruiniert Britt-Maries Liste für den Tag. Da versteht sie keinen Spaß! Sie schlägt den Räuber resolut in die Flucht und beeindruckt die anderen und sich selbst durch ihren Mut. Dabei hat er einfach nicht in ihre Pläne für den Tag gepasst!
Zuletzt geschieht das Schlimmste, was den Geschwistern Vega und Omar passieren konnte: Sie verlieren nach ihrer Mutter auch noch ihren großen Bruder Sami. Nun brauchen sie Hilfe, doch es ist nicht Britt-Marie, die ihnen helfen kann. Das Dorf Borg ist schneller. Sie erkennt, dass niemand sie wirklich braucht. Das ist irritierend, aber auch befreiend. Aus Samis Schicksal lernt sie, wie tödlich es sein kann, seinen Freunden alles zu verzeihen und einen Menschen selbst dann zu lieben, wenn er es nicht verdient. Und darum wagt sie eine lang ersehnte Reise.
Dieser schrullige Roman macht süchtig!
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