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Lass uns von hier verschwinden (Julian Mars)
21.12.2018, 17:06
Beitrag: #1
Lass uns von hier verschwinden (Julian Mars)
Eigentlich kann ich mich schwer identifizieren mit Menschen, deren Leben vor allem aus Depressionen, Partys und Sex besteht. Und dem Jammern darüber, dass sie in ihrem Leben noch nichts erreicht haben. Die Lektüre dieses Romans hat mir trotzdem Spaß gemacht. Treffsichere Dialoge, skurrile aber liebenswerte Haupt- und Nebenpersonen sowie stimmungsvolle Situationen lassen beim Lesen einen Film vor dem inneren Auge ablaufen.
Die Geschichte beginnt damit, dass Emilie, die beste Freundin von Felix, ihn wenige Wochen vor dem Geburtstermin und eine Woche vor dem schon vereinbarten Adoptionstermin fragt, ob er der Vater ihres Kindes werden möchte. Eine schwierige Frage, weil er mit der Zeugung nichts zu tun hatte. Felix ist jung, schwul und verdient kein eigenes Geld. Trotzdem versichern ihm Freunde, dass er die Sache nicht schlechter machen könne als der jeweils eigene Vater. In dieser Woche Bedenkzeit schreibt sich Felix seine Gedanken von der Seele, lässt die letzten Jahre Revue passieren.
Felix war von Hamburg nach Berlin gezogen, um dort ein neues Leben anzufangen. Das macht er allerdings nicht besonders gut, wohnt in einer nur halb eingerichteten Wohnung direkt am Friedhof, wird von seiner Schwester Anna therapiert und bekommt nur durch ihre Vermittlung eine Stelle als Vorzeigeschwuler, der in Schulen für Toleranz wirbt. Bei dieser Tätigkeit trifft er auch seinen Exfreund Martin wieder, der als Lehrer arbeitet. Den Wendepunkt in seinem Leben leiten drei Einladungen ein: die zum 60ten Geburtstag des Vaters, zum Klassentreffen und Hugos schrille Geburtstagsfeier. Felix sagt dem Vater in zwei gezielten Worten die Meinung, Elias zieht bei ihm ein und Felix trifft Martin endgültig wieder.
Als kleine Kostproben des wunderbaren Schreibstils hier einige Zitate:
Das Leben ist keine Netflix-Serie: „Im echten Leben passiert oft lange gar nichts. Und dann alles auf einmal.“ (Sie kennen das sicher auch!)

„‘Wieso sieht es im Fernsehen immer so viel aufregender aus, wenn sich einer scheiße fühlt?‘, fragte ich.
‚Weil dort stets die passende Musik gespielt wird‘, antwortete er.
Möglich, dachte ich.“

Seine Schwester Anna gibt Felix „therapeutische Arschtritte“: „‘Fünftens‘, sprach sie über meine Gefühle hinweg.“

„‘Weißt du‘, antwortete ich, ‚manchmal glaube ich, dass erwachsen zu sein hauptsächlich bedeutet, so langsam den Überblick darüber zu verlieren, wer was über wen warum noch mal nicht wissen darf.‘“

Bei dem Roman handelt es sich um den Folgeband von „Jetzt sind wir jung“. Obwohl ich diesen nicht gelesen hatte, konnte ich der Handlung sehr gut folgen. Die Personen werden vorgestellt und alles was aus dem ersten Band noch wichtig ist, kurz zusammengefasst. Und wie geht es jetzt aus?? Wie die Entscheidung am Ende ausfällt, erfahren wir leider erst im dritten Band. Ändert es etwas, dass Felix sich mit seinem Exfreund aussöhnt?

Julian Mars: „Lass uns von hier verschwinden“
Albino Verlag, Salzgeber Buchverlage GmbH, 2018
Taschenbuch, 256 Seiten, 18€
ISBN 978-3863002596

Rezensiert durch Andrea Herrmann
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