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Jonathan Stroud: Valley – Tal der Wächter
07.01.2017, 20:41
Beitrag: #1
Jonathan Stroud: Valley – Tal der Wächter
Sehr gut gefallen hat mir der Fantasy-Roman „Valley – Tal der Wächter“ von Jonathan Stroud. Hier geht es um Helden und um Rache, aber auch um Ehre, Freundschaft und Mut. In einem vom Rest der Welt abgeschiedenen Tal leben zwölf Familien, auch „Häuser“ genannt. Sie sind die Nachfahren der zwölf Helden, die damals das Tal zuerst besiedelten und im Kampf gegen die Trolde ihr Leben ließen. Nun liegen ihre Gebeine mit Schwertern bewaffnet unter Hügelgräbern und diese markieren die Grenze, die kein Sterblicher übertreten darf. Somit kann auch keiner das Tal verlassen.
Die Hauptpersonen sind Hal Svensson, der etwas kurz geraten ist und noch nie die Ländereien seiner Familie verlassen hat. Er freundet sich mit Aud Arneson aus der Familie Arnes an, die sich vor gar nichts fürchtet, auch nicht vor den Trolden. Das liegt allerdings vor allem daran, dass sie nicht an sie glaubt, während Hal damals als Schäfer erlebt hat, wie ein verlaufenes Schaf in der Nacht von den nachtaktiven, grausamen Kreaturen zerrissen wurde.
Die Menschen im Tal leben in einem Zwiespalt. Einerseits sind sie friedliche Menschen, die Konflikte vor Gericht lösen, bei dem Männer und Frauen zu entscheiden haben. Es ist sogar verboten, ein Schwert zu besitzen. Erst wenn ein Mann stirbt, schmiedet man ihm ein Schwert, um es ihm mit ins Grab zu legen. Andererseits erzählt man lang und breit die Heldensagen der alten Zeit – in verschiedenen Versionen, je nachdem, welche Familie gerade erzählt – und verehrt die furchtlosen Kämpfer der Vergangenheit und sinnt bei Kränkungen auf Rache.
Als Hals Onkel aus Rache ermordet wird, macht er sich auf den Weg, um sich an deren Mördern zu rächen und selbst ein Held zu werden, wie in den alten Zeiten. Er will nicht auf das Gerichtsverfahren warten. Die Mörder sollen davon kommen, indem sie nur etwas Land abgeben? Mehr ist sein Onkel nicht wert? Allerdings erweist sich der Weg als lang und gefährlich. Der Proviant reicht nicht weit und selbst der wenige Besitz, den Hal bei sich trägt – seines Vaters Messer und Svens Silbergürtel – wecken bei Reisebekannten Begehrlichkeiten. Das Messer verschenkt er darum sicherheitshalber, doch als er wegen des Gürtels im Schlaf ermordet werden soll, verteidigt er sich und tötet den Händler. Bei nächstbester Gelegenheit will er sich deswegen als Held feiern lassen, trifft dabei jedoch auf die Familie des Händlers, die für seine Tat wenig Verständnis zeigt.
Schließlich trifft er den Mörder seines Onkels krank im Bett an. Selbst für einen schmächtigen Jungen wie ihn wäre es nun leicht, ihm im Schlaf die Kehle aufzuschlitzen. Doch Hal zögert und erfährt so, dass die Hakonsons gute Gründe haben, seinen Onkel zu hassen. Auch sie haben sich für Unrecht gerächt, für zwei Todesfälle aus der Vergangenheit, für die sie allerdings bereits mit Land entschädigt worden waren. Doch auch ihnen hatte dies nicht genügt. Hal begreift, was für ein endloser Teufelskreis die Rache bildet und will Olaf Hakonsen gar nicht mehr töten. Dieser allerdings will ihm ans Leben, um den Zeugen für den Mordprozess auszuschalten. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt, während dem Olaf ins Feuer fällt und verbrennt. Daraufhin hetzt die Hakonsen-Familie Hal, bis Aud ihm hilft und ihn versteckt.
So gelangt er lebend nach Hause zurück. So findet dann doch die Gerichtsverhandlung statt, doch Hals Schuld verhindert einen Schiedsspruch. Die Hakonsen schwören Rache und greifen im Frühjahr die Svensons an. Ein mörderischer Kampf beginnt. Hal beschließt, die Hakonsens bei Nacht und Nebel hinter die Hügelgräber zu locken, damit die Trolde sie töten. Seine Rechnung geht auf. Allerdings finden Aud und er sich auf dem Troldfelsen wieder, umzingelt von Trolden. Und sie erfahren, wer die Trolde wirklich sind. Sie überleben bis zum Morgengrauen und verlassen so bald wie möglich das Tal.
Später werden sie als furchtlose Helden gefeiert. Sie sind aus dem Tal, aus dem Kreis aus Mord und Rache, aus dem Bann der Helden ausgebrochen. Opfer und Täter lassen sich in der ganzen Geschichte schwer unterscheiden, und genau darum geht es ja. Niemand ist hier nur gut oder nur böse, sondern eher wie normale Menschen, die ihre Entscheidungen nicht immer vernünftig treffen. Das gibt diesem Fantasy-Roman etwas Realistisches, Glaubwürdiges. Und ich frage mich: Was wohl aus unseren beiden tapferen Helden außerhalb des Tals geworden ist?
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